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Thanks to someone in Germany who read Cass’s words, and wishes to remain anonymous, we now have a German translation.  I beleive it’s a single document that combines aspects of both of her letters.


„Bad Benzos“ – Cass Abschiedsbotschaft an die Welt

Dies ist die Abschiedsbotschaft, die Cass hinterlassen hat für die medizinische Gemeinschaft und für Menschen, die von ähnlichen Problemen betroffen sind. Dies sind ihre eigenen Worte in Übersetzung.

Für Wissenschaft, Bildung und Prävention. Was ist das Benzodiazepin-Entzugssyndrom (BES), meine Geschichte mit Benzodiazepinen (Benzos) und eine Symptomliste.

Ich habe das Benzodiazepin-Entzugssyndrom (BES), das kein typischer Entzug ist, sondern eine Schädigung des Gehirns, die durch die Benzodiazepin-Einnahme verursacht wurde. Ich nahm diese Medikamente so, wie sie mir von Ärzten verschrieben wurden, ich habe sie nie missbräuchlich benutzt und wurde nie vor den Gefahren gewarnt. Im Laufe der Zeit schädigen Benzodiazepine GABA-Rezeptoren im Gehirn und verursachen so eine Schädigung aller Systeme des Körpers und Gehirns. Das GABA-System ist das ‚Bremspedal‘ des Körpers und des Gehirns, es verlangsamt und stoppt die unterschiedlichsten Körperprozesse. Das Glutamat-System hingegen ist das ‚Gaspedal‘, welches Prozesse aktiviert und beschleunigt. Wenn das GABA-System eingeschränkt ist, dann wird nichts mehr ‚gebremst‘, und alle Teile des Körpers, jedes System, jedes Gewebe, jedes Organ wird in Mitleidenschaft gezogen. Es ist schwer, ohne ein ‚Bremspedal‘ die Balance zu finden, und umso länger diese Schädigung andauert und nicht geheilt wird, umso schlimmer wird alles. Kein Teil meines Körpers war von dieser Schädigung des Gehirns nicht betroffen. Es hat mich überrascht, dass ich nicht schon früher an Herzversagen, nächtlichen Atemaussetzern oder einer anderen Funktionsstörung gestorben bin. Das Gehirn steuert alles im Körper. Es bewegt deine Muskeln beim Gehen oder Tippen. Es verarbeitet alle Sinneseindrücke. Es steuert die autonomen Körperfunktionen wie Herzschlag, Atmung und Verdauung, weiterhin auch alle Gefühle, Stimmungen und Reaktionen. „Mentale Symptome“ werden nicht von ätherischen Dingen außerhalb des Körpers verursacht, sondern von körperlichen Prozessen innerhalb des Gehirns. Wenn das Gehirn geschädigt wird, dann wird auch die Seele geschädigt. Alles, was die Medikamente ursprünglich behandeln sollten, trat nach meiner Gehirnschädigung verstärkt auf, und hinzu kamen noch die körperlichen Schäden. Die durchschnittliche Erholungszeit von dieser Gehirnschädigung beträgt 6 bis 18 Monate. Viele benötigen jedoch Jahre, um sich davon zu erholen, und einige haben einen irreparablen Gehirnschaden.

Liebe Wissenschaftler: Bitte findet ein besseres Wort für Benzodiazepin-Entzugssyndrom (BES)! Wenn Ärzte das Wort „Entzug“ hören, denken sie an eine kurze Zeitspanne, in welcher sich der Körper von der Medikamentenabhängigkeit erholt. Dies beschreibt jedoch nicht den permanenten Gehirnschaden, den Benzos verursachen. Selbst in der Gemeinschaft der BES-Betroffenen benutzen die meisten die Suchtsprache, um ihr Erleben zu beschreiben, was es schwer macht, es Ärzten zu erklären. Man muss in klarer Sprache sagen, was es ist: eine Schädigung des Gehirns. Bitte informiert euch, eure ärztliche Gemeinschaft und die Öffentlichkeit über die verheerenden Folgen von Benzodiazepinen. Nur so kann verhindert werden, dass dies anderen passiert! Nur so kann bewirkt werden, dass Ärzte drastisch die Verschreibung der Medikamente verringern oder sie vielleicht gänzlich aus dem Verkehr ziehen.

BES kann unterschiedlich schwer ausfallen. Hier ist eine kurze Auflistung, was BES verstärkt, verlängert und die Gehirnverletzung vergrößert:

  • Dauer. Nach Angabe der Pharma-Produzenten sollten Benzos nicht länger als zwei Wochen lang genommen werden. Meine Ärzte haben sie mir jedoch sechs Jahre lang ohne Warnung verschrieben. Ich hätte sie sogar noch länger genommen, wenn ich nicht die Vermutung gehabt hätte, dass einige meiner Gesundheitsprobleme von ihnen verursacht werden.
  • Viele Entzüge. Bei mir wurden Benzos mehrmals an- und abgesetzt, bevor mein Gehirn sich von den einzelnen Phasen erholen konnte, was den Schaden verstärkt und jede weitere Erholungsperiode verlängert hat. Allgemein: Wenn jemand Benzos für einen kurzen Zeitraum nimmt, dann wird die erste Regenerationsphase nur kurz oder kaum wahrnehmbar sein. Einige Menschen entwickeln jedoch schon nach kurzer Zeit ein BES.
  • Höhere Dosierung oder mehrere Benzos gleichzeitig. Ich war auf zwei: Xanax (In Deutschland: Tafil und zahlreiche Generika) und Klonopin (in Deutschland: Rivotril und zahlreiche Generika).
  • Unterschiedliche Psychopharmaka gleichzeitig. Alle verändern die Funktionsweise des Gehirns, haben ihre eigenen Erholungszeiten nach dem Absetzen und verringern die Heilung des Gehirns nach einer Schädigung durch Benzos. Ich empfehle, dass man beim Reduzieren/Absetzen von Benzos keine weiteren Änderungen an der Medikation oder weiteren Drogen vornimmt, dies beinhaltet Hormone, Nikotin, Psychopharmaka oder weitere Medikamente. Das ist meine Erfahrung und auch die, vieler weiterer BES-Betroffener. Bei mir haben solche Veränderungen alle meine Symptome intensiviert und auch mehrere psychotische Episoden verursacht.
  • Alkohol. Alkohol und Benzos wirken auf die gleichen Rezeptoren im Gehirn. Auf Benzos Alkohol trinken, ist so, als würde man eine höhere Dosis nehmen und es verstärkt den Gehirnschaden. Mir wurde lediglich erzählt, dass Alkohol eine Gefahr beim Autofahren sei, weitere Informationen wurden mir vorenthalten.
  • Schneller oder kalter Entzug. Meine Ärzte sagten nur, dass man die die Benzos über ein paar Wochen hinweg reduzieren sollte, was de facto einem kalten Entzug gleicht, gefährlich ist und tödliche Anfälle verursachen kann. Heute weiß ich, dass Experten die Ashton Methode empfehlen, bei der über einen langen Zeitraum in kleinsten Schritten das Medikament reduziert wird, damit sich das Gehirn an die jeweils kleinere Dosierung anpassen kann. Dr. Heather Ashton ist die führende Spezialistin beim Ausschleichen von Benzos. Informationen darüber findet man im Internet unter dem Stichwort: „Ashton Manual“.

Ich habe verzweifelt nach medizinischer Hilfe gesucht oder irgendetwas, was mich gesund macht, mein Gehirn heilt oder zumindest mein Leiden erträglich macht. Alles, was ich gefunden habe, verstärkte jedoch nur mein Leiden. Alles, was ich über meinen Zustand lernte, geschah nach meiner letzten Medikamentendosis, und bedauerlicherweise habe ich nichts darüber von meinen Ärzten erfahren. Es ist mehr als grausam, dass Ärzte mir dies angetan haben, mir anschließend jedoch keinerlei Unterstützung anboten. Alle Ärzte, die ich traf, wussten nichts über diesen Zustand, weigerten sich darüber zu informieren, konnten mich an keine Experten überweisen, gaben mir lediglich willkürliche Diagnosen, indem sie einige wenige Symptome aus meinem Symptomspektrum auswählten, oder wollten mir nicht zuhören. Zurzeit gibt es nur wenige Ärzte, die beim Reduzieren/Ausschleichen von Benzos helfen können oder auch nur die richtige Diagnose kennen. Kein Arzt weiß, wie man den durch Benzos verursachten Gehirnschaden und die weiteren BES-Symptome behandeln kann. Nach Hilfe zu fragen, ist wie ein Alptraum, in dem man aus voller Brust um Hilfe schreit, und niemand hört hin, alle laufen nur vorbei. Menschen, die mit dem BES Hilfe suchen, werden für gewöhnlich falsch diagnostiziert und erfahren nie, was ihnen geschieht. Zahllose andere haben sich umgebracht, um der Folter zu entgehen, welche dieser Gehirnschaden verursacht. Und zahllose weitere werden sterben, weil BES als Ursache nicht erkannt wird. Es gibt keine bekannte Behandlung für diesen Gehirnschaden, und niemand forscht, wie man Menschen mit dieser Schädigung helfen kann. Es ist mir sehr wichtig, dass meine Freundinnen und Freunde wissen, dass BES die primäre Ursache meines Todes ist. Ich konnte einfach nicht mehr so unmenschlich leiden, ohne ein klares Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Ich hoffe, dass mein Tod zu etwas Gutem führt, und dass er ein Licht auf die durch Benzodiazepine verursachten Gehirnschäden wirft.

Für einige mag es schwer erscheinen, die Größe meines Leidens zu ermessen und wie sehr die medizinische Gemeinschaft versagt hat, indem sie zunächst mein Gehirn schädigte und anschließend mir den Rücken zuwandte. Ein gutes Beispiel meiner Symptome und wie ich von Ärzten behandelt wurde, als ich nach Hilfe suchte, ist der Spielfilm „Brain on Fire“, nach einer wahren Begebenheit. Die Protagonistin hat eine andere Krankheit, aber die Symptome sind vergleichbar (abgesehen von Anfällen, die jedoch auch von BES verursacht werden können), und vergleichbar ist auch, wie Ärzte die Symptome auf eine „psychische Krankheit“ schieben, anstatt genauer zuzuhören, hinzuschauen und zu lernen.

Sechs Jahre lang wurden mir Benzos zum täglichen Gebrauch verschrieben. Das erste Mal waren es 4 mg Klonopin. Danach bekam ich verschiedene Dosierungen: 1 bis 4 mg Klonopin und 1 bis 3 mg Xanax. Ich wurde mehrmals von Benzos entzogen, aber hatte nie einen kompletten Erholungsprozess, bevor sie mir wieder verschrieben wurden. Bei jedem Entzug waren die Symptome des BES überwältigend. Weil ich nicht verstand, was mit mir geschah, und weil die Ärzte mich nicht über BES informierten, war es leicht für sie, mich zu überreden, dass ich wieder Benzos benötige. Nach Jahren brachten Benzos mir jedoch keine Erleichterung mehr. Ich hatte die Toleranzschwelle überschritten und wurde durchgängig krank. Als ich meinen letzten Entzug hatte, wurden die BES-Symptome verheerend. Bei jedem Absetzen wurde lediglich über ein paar Wochen hinweg ausgeschlichen oder es wurde im kalten Entzug abgesetzt, was hochgradig gefährlich ist, weil die Gehirnchemie nicht hinterher kommt. Bitte informiert euch deswegen über die Ashton Methode, damit Menschen adäquat geholfen werden kann.

Mein BES ist sehr ernst und tiefgreifend. Alle Symptome kommen und gehen in unterschiedlicher Intensität, so als würde jedes Symptom in seinem eigenen Orbit kreisen und zwischen mittel und stark schwanken. Keines meiner Symptome ist leicht oder harmlos. Die meisten sind konstant, einige kommen und gehen und kommen wieder, andere sind als neue Symptome hinzugekommen. Jedes allein wäre schon eine Herausforderung, aber zusammen bilden sie eine kakophonische Sinfonie des Leidens, die sich nur schwer beschreiben lässt. Ich habe mit vielen BES-Betroffenen gesprochen, die schwere Krankheiten wie Krebs hatten oder Entzüge von Heroin/Opiaten und alle sind sich einig: BES ist weitaus schlimmer. Das Leiden ist unglaublich intensiv und raumgreifend. Es hat jeden Aspekt meines Lebens, meines Körpers und meiner Seele zerstört. Es hat mir meine Gesundheit gestohlen, die Möglichkeit, mich um mich selbst zu kümmern, mein Sozialleben, meine Würde und alle Lebensqualitäten. Die Genesung verläuft nicht linear. Manchmal fühlt man, dass es besser wird, dann jedoch kommt alles mit voller Stärke zurück und beginnt von vorne.

SYMPTOME

(Einige habe ich sicherlich vergessen. Die Vielzahl der Symptome hat mich derart überwältigt, dass es schwierig war, einen Überblick zu behalten. *Symptome mit einem Sternchen waren schon vorher vorhanden, aber es ist wichtig, dass das BES sie extrem gesteigert hat*)

Anmerkung des Übersetzers: Cass hat ihre Symptome für die medizinische Forschung nach Organgruppen geordnet, wodurch es zu einigen wenigen Dopplungen kommt.

  • Kopf-, Augen- und Ohrendruck. Schmerz, als wäre mein Gehirn geschwollen oder eine Last auf meinem Schädel. Extreme und regelmäßige Kopfschmerzen.
  • Mund-, Zahn- und Kieferschmerz. Unkontrollierbares Zähneknirschen.
  • Geschwollener Rachen, Probleme beim Schlucken, das Gefühl, dass etwas in meiner Kehle hängengeblieben ist. Schmerz.
  • Magen – Wechsel zwischen Appetitlosigkeit und Heißhunger, schmerzhafter Schluckauf, Reflux, Verdauungsstörungen, Übelkeit, Schmerz, Krämpfe, Blutungen, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, so als wäre ich plötzlich auf alles allergisch, aufgeblähter Bauch oft hart wie ein Stein.
  • Darm – Schmerz, Krämpfe, konstante Blähungen und Durchfall, häufiger Stuhlgang, häufiges Urinieren, scharf schmerzende Bauchschmerzen, Verlust der Darmkontrolle (Stuhlinkontinenz).
  • Muskeln – Zuckungen, Spasmen, Schmerz, Krämpfe, Steifheit, Schwäche, Schütteln, Tremor, das Gefühl elektrischer Schläge, zufällig auftretende stechende Schmerzen. Rapider Verlust von Muskelmasse in den ersten Monaten der BES.
  • Unfähigkeit, die Körpertemperatur zu regulieren. Plötzliche Kälte- und Hitzeattacken. Hitze-Intoleranz. Früher mochte ich die Hitze, jetzt vertrage ich jedoch keine Temperatur über 21 Grad Celsius, und ich überhitze selbst bei kalten Temperaturen.
  • Bewegungs-Intoleranz. Jede körperliche Anstrengung verstärkt die BES-Symptome.
  • Herz: unregelmäßiger Herzschlag, Herzklopfen, Herzrasen und verringerter Herzschlag, so als würde das Herz stoppen.
  • Schwindel kommt zufällig, selbst wenn ich Ruhig sitze. ‚Seekrankheit‘ – Das Gefühl, auf turbulenten Wassern in einem Boot zu sein.
  • Gleichgewichtsstörungen und mangelnde Koordination (hat Stürze verursacht)
  • Komplette Körperschwäche und behindernde Müdigkeit
  • Grippe, Erkältung und allergie-ähnliche Symptome – Schnupfen, Husten, stark wässrige oder trockere Augen, fiebrig, Blutstau, Schmerzen und Druck der Nebenhöhlen, Hautausschläge, Kopfschmerzen, Halsentzündung, etc.
  • * Dyshidrotische Ekzeme (juckende Hauterkrankung). Vor BES waren die Ekzeme eher mild und traten nur ein paar Mal im Jahr auf. Jetzt habe ich sie durchgängig und heftig.
  • *Genitalherpes: Vor BES waren die Ekzeme mild und traten nur ein paar Mal im Jahr auf. Jetzt sind sie durchgängig und heftig mit lediglich kurzen Perioden zwischen dem Auftreten.
  • Haut – Akne, periodische Hautausschläge, Veränderungen der Haut, teilweise dünn und papierähnlich, teilweise rauh und ledrig, Verlust der Elastizität, manchmal exzessiv ölig, manchmal extrem trocken, starker Juckreiz, auch wenn kein Ausschlag vorhanden ist. Der Juckreiz wechselt und ist manchmal überall, manchmal jucken spezielle Stellen für Wochen/Monate durchgängig, das Gefühl, als würden Käfer auf und unter der Haut laufen, das Gefühl elektrischer Schläge auf der Haut, manchmal ein Brennen, als wäre ich im Feuer, manchmal nach einer Dusche brennt meine Haut und wird rot und entzündet, viele neue Lebermale und ‚Altersflecken‘ tauchen plötzlich auf und jucken spontan, Haarverlust, grundloses Gefühl von Nadeln in der Haut, Schmerz, Berührungen fühlen sich manchmal an wie Sandpapier oder Scherben von zerbrochenem Glas, so als wären alle Nerven überlastet, Taubheit, starkes Hautablösen am ganzen Körper, aber besonders an den Füßen, Händen, Genitalien und der Kopfhaut, starkes Schwitzen (hatte ich vorher nie), Sonnenintoleranz, schneller Sonnenbrand, und Sonne verstärkt alle BES-Symptome.
  • Rapides körperliches Altern. Zu viel, um es hier aufzulisten.
  • Gelenke – Schmerzen, Entzündungen, Knallen, es fühlt sich an, als würden sie einander ‚mahlen‘, manchmal schwer bewegbar und steif.
  • Nackenschmerzen. Eine Unregelmäßig der Nackenwirbelsäule verschlimmerte sich mit einem „Nackenhöcker“ oder Fettgewebe an der Basis meines Nackens.
  • Viele Probleme im endokrinen System (Hormonsystem). Dysregulation der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse, Hormonschwankungen selbst mit Hormonersatztherapie. Viele Menschen mit BES bekommen die Diagnose Menopause oder Hormonprobleme, obwohl die Schwankungen durch BES verursacht werden, weil der Körper Hormone nicht mehr ausreichend produzieren und regulieren kann. Ich hatte die Diagnosen Menopause und Schilddrüsenunterfunktion während BES. Der Versuch, diese Probleme zu behandeln, ohne BES in Betracht zu ziehen, verursachte lediglich mehr Probleme und eine Verstärkung der BES-Symptome. Mein Stoffwechsel wurde massiv beeinträchtigt, wodurch ich in den ersten Monaten nach dem Absetzen der Benzos massiv an Gewicht zunahm (14 kg). Die meisten verlieren Gewicht mit BES. Ich glaube, bei mir war es das Gegenteil, weil ich Seroquel kurz nach den Benzos absetzte und eine Hormonersatztherapie begann. Ich hatte konstant Schmerzen in der Brust, gelegentlich Genitalschmerzen, Verlust der Libido.
  • Grundlose Adrenalin-Schübe, selbst wenn es keine Gefahr oder Auslöser gab, manchmal jedoch auch bei kleinen geringen Auslösern wie einem leisen plötzlichen Klang oder eine Bewegung. Diese Körper-Reaktion war extrem und dem Reiz unangemessen, das heißt, es fühlte sich an, als würde mich ein Bär angreifen, wenn in Wahrheit sich nur eine Autotür in der Entfernung schloss.
  • Schwere Schlaflosigkeit. Probleme beim Einschlafen oder Durchschlafen. Regelmäßige wechselnde Zeiten während des Tages, in denen ich schlafen konnte. Alpträume. Aufwachen mit intensiven Adrenalinschüben. Manchmal so überwältigt von der Schlaflosigkeit, dass ich spontan eingeschlafen bin.
  • Bluttests zeigten, dass mein Körper das Spurenelement Eisen nicht verarbeiten konnte. Ich hatte dieses Problem nie vorher, und mir ist kein Auslöser dafür bekannt als BES, und ich hatte auch zwei unabhängige Gentests, die beide zeigten, ich habe keine Marker für Hämochromatose (‚Eisenspeicherkrankheit‘). Meine Ärzte überraschte das und sie verstanden nicht, warum ich das Problem über viele Monate hatte und es plötzlich verschwand. Ich weiß, es wurde durch BES verursacht.
  • Nervenschmerzen, das Gefühl, dass Elektrizität durch die Nerven wandert. Plötzlicher starker Schmerz.
  • Sinnesüberreizung – komplette körperliche und seelische Überforderung selbst bei niedrigschwelligen Sinnesreizen.
  • Hören – ein konstantes Klingen in den Ohren, das Hören ist verzehrt, Klänge sind oft verwirrend, so als ob der Klang vom Gehirn falsch interpretiert wird, selbst stille Klänge erscheinen oft sehr laut, erschreckend und überreizend und können Adrenalinschübe verursachen. Laute Klänge verursachen noch stärkere Reaktionen. Manchmal höre ich Dinge, die gar nicht da sind. Selbst Klänge, die ich normalerweise mag wie ruhige Musik, sind unangenehm und überreizend.
  • Sehen – meine Sicht nahm schnell ab, verschwommenes Sehen, Textzeilen sind oft wellig, schräg oder schwer zu sehen, Schmerzen in den Augen, Augendruck, oft sehr wässrig oder trocken und brennend, manchmal sehen Wörter und Buchstaben fremd aus, Mouches volantes (Flecken beim Sehen), selbst gedämpftes Licht wirkt oft zu hell.
  • Geschmack – hab ihn komplett verloren. Als er wieder kam, schmeckte alles falsch oder verdorben. Jetzt kommt und geht er.
  • Geruch – Selbst milde Gerüche verursachen allergische Reaktionen mit Kopfschmerz. Ich rieche Dinge, die nicht da sind, Gerüche sind verzehrt, selbst bekannte Gerüche, zum Beispiel roch mein Schweiß einmal nach verbrannten Autoreifen oder ich erinnere mich, wie Mango riechen sollte, aber stattdessen riecht sie nach einer verrottenden Leiche.
  • Berührungen – manchmal fühlen sich körperliche Berührungen wie Sandpapier oder Scherben von zerbrochenem Glas an, so als wären alle Nerven überreizt. Selbst weiche Kleidung kann überwältigend sein.
  • Atmung – Das Atmen fühlt sich, als könnte ich nicht genug Sauerstoff bekommen oder als ob ich nicht atmen kann. Manchmal schnappt man Körper unkontrollierbar tief nach Luft. Manchmal fühlt es sich an, als würde meine Atmung stoppen, wenn ich mich nicht auf sie konzentriere.
  • Konstante überwältigende Müdigkeit.
  • Unverträglichkeit von Vitaminen, Nahrungsergänzungsmitteln und Medikamenten. Alles, was ich probierte, führte selbst in kleinsten Dosen zu einer Verstärkung der Symptome, paradoxen Reaktionen oder sogar zu psychotischen Episoden. Ich vertrug lediglich Ibuprofen. Einiges, was ich versuchte, verschärfte lediglich das BES: Vitamin D, Seroquel, Hydroxyzin, Wellbutrin, Progesteron, Testosteron, Loestrin 1/10, Zoloft, Probiotika, Marihuana, CBD-Öl, Levothyroxin, Mircette. Es ist extrem schwer, und man ist schlecht beraten, wenn man versucht Medikamente zu wechseln oder andere Krankheiten zu behandeln, wenn man unter BES leidet. Es gibt vieles, was man mit BES lieber vermeiden sollte. Bitte informiert euch selbst!
  • Psychische Symptome: Gedächtnisverlust sowohl des Langzeit- und Kurzzeitgedächtnisses, kognitive Beeinträchtigungen (Ich brauchte drei Monate, um dies zu schreiben), starke Ängste ohne Auslöser/Trigger, Suizidalität, sich aufdrängende Erinnerungen, Zwangsgedanken, innere Bilder, die nicht meine eigenen sind, Dissoziation/Depersonalisation/Derealisation, Panikattacken (vor den Psychopharmaka hatte ich nur ein paar, jetzt kommen sie regelmäßig und unkontrollierbar), Gesundheitsängste (Wie könnte man die nicht haben, wenn so viele Dinge im eigenen Körper falsch laufen?), Unfähigkeit Freude und Liebe zu fühlen, rapide Stimmungswechsel, Wutausbrüche, Verlust der Identität, Paranoia, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit, konstante generalisierte Ängste ohne externe Trigger, Isolation und die Unfähigkeit, soziale Beziehungen aufrecht zu erhalten, Verworrenheit, unkontrollierbare Weinattacken, Unfähigkeit die alltägliche Selbstsorge zu betreiben, Psychosen (erschreckende visuelle, auditive und taktile Halluzinationen, teilweiser oder kompletter Realitätsverlust, Wahnvorstellungen, Paranoia, Katatonie. Dies war alles nie während meiner ‚bipolaren Störung‘ erlebt. Psychotische Episoden hatte ich erst als Resultat des Absetzens der Psychopharmaka und somit des BES). *Depression (Teil meiner ‚bipolaren Störung‘, jedoch nie so schwer vor der BES).

Wenn ich in der Zeit zurückgehen könnte, würde ich mit meinem heutigen Wissen Psychopharmaka vermeiden. Ich habe sechs Jahre lang Psychiater besucht, die versucht haben, eine Kombination an Medikamenten zu finden, mit der sich die ‚bipolare Störung‘ behandeln lässt. Kein einziges der Medikamente half mir bei den bipolaren Symptomen, die meisten verschlimmerten es und verursachten neue Symptome, alle machten mich zusätzlich körperlich krank, und die Benzos verursachten eine Schädigung meines Gehirns. Glaube also nicht, dass Medikamente 100 Prozent der Menschen mit ‚psychischer Krankheit‘ heilen können. Ich bin der Beweis, dass das ist nicht wahr ist, und nicht nur wegen der Benzos.

Benzos werden nicht nur als psychiatrische Medikamente verschrieben, sie finden auch Verwendung beim Alkoholentzug, Epilepsien, Schlaflosigkeit, als Betäubungsmittel, als Muskelentspannungsmittel und für vieles weitere. ALLE Ärzte müssen sich sich daher ihrer Gefahren bewusst sein, um zukünftig Schäden und Todesfälle zu vermeiden!

Aus Cass Abschiedsbotschaft an Freundinnen und Freunde:

Bitte versucht so gut wie möglich, meine Entscheidung zur Selbsttötung zu verstehen und akzeptieren! Bitte fragt euch nicht, was ihr an meiner Stelle getan hättet oder was ihr für mich gewählt hättet! Ich bin die einzige, die in diesem Körper leben muss. Haustiere einzuschläfern gilt als human, doch diese Barmherzigkeit haben wir nicht für unsere Mitmenschen. Dies ist in vielerlei Hinsicht verheerend. Aufgrund dieses rückständigen Denkens hatte ich keinen Zugang zur Euthanasie und einem humanen und friedvollen Tod. Ich musste es selbst machen. Verzweifelt wünsche ich mir, dass ich mich von meinen Freundinnen und Freunden verabschieden kann. Ich wünsche mir, dass ich darüber ohne Verurteilung, Angst oder juristische Konsequenzen hätte sprechen können. Ich wünsche mir, dass ich mein Leben mit emotionaler und medizinischer Unterstützung hätte beenden können. Darüber mit niemandem sprechen zu können, macht mich einsamer, als ich jemals zuvor war. Niemand möchte allein und mit Schmerzen sterben! Ich wünsche mir, dass Menschen sicher, friedvoll und human sterben dürfen, ohne beweisen zu müssen, dass ihr Leiden „groß genug“ sei oder ihre Krankheit tödlich. Nach den heutigen Gesetzen in den USA qualifiziert man sich für eine Euthanasie nur, wenn man innerhalb kürzester Zeit sowieso versterben würde, aber wenn das das Leiden kein klares „Verfallsdatum“ hat, dann ist man zum weiteren Leiden verdammt. Das ist grausam! Wenn man sein geliebtes Haustier mit Mitgefühl und Gnade einschläfert, um sein Leiden zu beenden, warum gilt dann dieses Mitgefühl nicht auch mir? Wir müssen unser Lebensende und Euthanasie neu definieren, sodass jeder Mensch das Recht hat zu wählen, wann er sein Leben beenden möchte. So wie ich bestimme, wie ich lebe, so möchte ich auch bestimmen können, wie ich mein Leben beende. Ich wollte nie langsam verwelken, unfähig, mich um mich selbst zu kümmern, in größtem Schmerz … Das ist nicht notwendig. Ohne Euthanasie sind Menschen zum Leiden gezwungen, Menschen müssen grausam sterben, was für sie und andere traumatisierend ist. Menschen werden komplett allein gelassen, obwohl sie mitfühlende Menschen gerade in diesem Moment am dringendsten benötigen. BES hat jeden Aspekt meines Lebens zerstört: Meine Gesundheit, meine Seele, meine Selbstsorge, meine Beziehungen, meine Würde und meine Lebensqualität. Nicht ich nahm mir mein Leben, sondern BES. Einige sagen, es sei egoistisch, den Tod zu wählen. Es ist jedoch egoistisch und unmoralisch, Menschen zum Leiden zu zwingen und ihnen die Chance zu nehmen, ihr Leben sicher und friedlich zu beenden. Ich konnte einfach nicht mehr länger unmenschlich leiden, ohne ein absehbares Ende zu sehen. Ich wähle den Frieden.

Quellen:

Benzodiazepine Information Coalition – education and awareness: http://benzoinfo.com/

Benzobuddies.org – support for those suffering with BWS or tapering off benzos: www.benzobuddies.org/

The Ashton Manual – how to taper off benzodiazepines: https://benzo.org.uk/manual/

Education and a list of some things to avoid during BWS: https://prescription-drug.addictionblog.org/five-5-facts-about-benzodiazepine-withdrawal-you-need-to-know/

Hilfreiche deutschsprachige Seiten:

Das Ashton Manual: https://benzo.org.uk/german/

ADFD – Unabhängige Information und Austausch über Nebenwirkungen und Absetzsymptome von Psychopharmaka: https://adfd.org/

Facebook-Gruppe: Absetzen von Psychopharmaka: www.facebook.com/groups/144925249267392/

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